Eigentlich ganz einfach – aber leider hab ich’s nicht gelernt

Eine unserer Übung in den Coachings klingt ganz einfach: Fühle, was Dir Energie gibt! Finde heraus, in welchen Situationen Du Dich gut fühlst! Mit welchen Menschen, bei welchen Themen, an welchen Orten? Was hat Dich schon immer fasziniert?

Im Alltag zu spüren, wobei ich Energie habe und mich davon leiten zu lassen, fällt mir selbst nach jahrelanger Beschäftigung mit dieser Praxis schwer. Ich erinnere mich, dass ich als Kind genau wusste, wobei ich Freude empfand und damit wollte ich meine Zeit verbringen.

Aber gelernt habe ich spätestens mit Schulbeginn, dass meine Leidenschaften nicht wichtig sind, sondern die für „die Wirtschaft“ angeblich notwendigen Leistungsstandards. Und diese sind zudem völlig überzogen: Meine Matheabiturwissen habe ich beispielsweise selbst für die Erlangung meiner zwei Ingenieurtitel nie gebraucht.

Im Unterricht war ich lange mittelmäßig schlecht und mündlich viel zu still. Ich konnte gut beobachten und gut zuhören. Ich hatte eine Menge Ideen, wie die Pausen gestaltet werden konnten, ich konnte sehr gut mit Murmeln spielen. Und ich konnte sehr gut Gehörtes auswendig lernen. So gut, dass erst in der 3. Klasse auffiel, dass ich gar nicht Lesen konnte, sondern mir die Texte, die andere vorlasen, einfach nur sehr gut gemerkt hatte.

In Leichtathletik hatte ich eine 5. Dass ich mit Ball bei der Erwärmung schneller Laufen konnte als später beim Wettlauf auf der Bahn, wurde mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, hatte jedoch keinen Einfluss auf meine Note.

Als Kind habe ich mir gewünscht, bei den Indianern groß zu werden, denn Bogenbauen, überhaupt das Arbeiten mit Holz und konzentriertes Bogenschießen konnte ich hervorragend. Nur leider ist das ja in Deutschland kein Schulfach.

Was blieb ist: Claudia kann schlecht lesen und ist beim Sport eine Niete.

Zu schauen, was mir Energie gibt, habe ich nicht gelernt. Mein gutes Gedächtnis, meine Kreativität, meine Gabe gut wahrnehmen zu können, und meine Begabung aus vorhandenen Dingen Neues gestalten zu können, habe ich erst spät und mühsam als meine Potentiale entdeckt.